Koks-Dealer und seine Gerichts-Abenteuer
Ende Juni hat das Kriminalgericht den Dude wegen Verbrechen, Vergehen und Übertretungen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie wegen Geldwäscherei krass abgestraft. Der Kerl hat es in der Zeit von Mai 2019 bis April 2022 echt wyld getrieben, hat von vier Leuten rund 500 Gramm Koks und knapp 10 Gramm Gras gecoppt und dann gut 330 Gramm Koks an 13 Käufer in Liechtenstein verhökert. Damit hat er 41.160 Franken in seine eigene Tasche gelenkt. Wie der Staatsanwalt schon im Juni sagte, ist das ein «spezieller Fall».
Urteil: 3 Jahre, aber mit Probezeit
Der Dude konnte sich eigentlich auf bis zu 20 Jahre Knast einstellen, wenn es um mehr als 18 Gramm Koks geht. Aber er hat nur drei Jahre aufgebrummt bekommen, wobei zwei davon zur Bewährung ausgesetzt wurden. Der Kerl hätte also nur ein Jahr hinter Gitter gemusst. Das lag vor allem daran, dass er mehr zugegeben hat, als die Cops ihm hätten nachweisen können. Mit seinen Infos konnte ein ganzes Netzwerk aus Dealern und Käufern aufgedeckt werden. Das Gericht hat ihm das hoch angerechnet und ein mildes Urteil gesprochen. Aber beide Parteien haben Berufung eingelegt. Daher hat sich das Obergericht mit dem «speziellen Fall» von Drogenkriminalität befasst.
Die grosse Frage: Probezeit ja oder nein?
Die Staatsanwaltschaft wollte, dass die Bewährungsstrafe von zwei Jahren gestrichen wird und der Dude die vollen drei Jahre im Knast absitzen muss. «Drei Jahre Freiheitsstrafe sind noch nicht einmal ein Siebtel des möglichen Strafrahmens», hat der Staatsanwalt betont. Er fand zwar gut, dass der Angeklagte so freizügig geplaudert hat, aber trotzdem ist seiner Meinung nach die Bewährungsstrafe sus.
Die Verteidigung will Freiheit
Die Verteidigung hat Berufung eingelegt und die Schuld und Strafe in Frage gestellt. Der Anwalt war der Meinung, dass das Gericht den Reinheitsgrad des Kokains falsch berechnet hat. Er hat auch kritisiert, dass die Proben gegen Ende der Dealer-Tätigkeit seines Mandanten entnommen wurden. «Wir wissen nicht, welche Qualität das Koks in den beiden Jahren zuvor hatte. Und in diesem Fall dürfen nicht einfach Annahmen getroffen werden.»
Dealer bereut und will sein Leben umkrempeln
Der Dealer selbst hat gesagt, dass er seine Taten echt bereut und seine Sucht ihn dazu getrieben hat. «Ich nehme nun psychologische Betreuung und eine Suchtberatung in Anspruch. Ich möchte mein Leben von Kopf bis Fuss umkrempeln und habe auch meine Familie über das alles informiert.»
Ich möchte mein Leben von Kopf bis Fuss umkrempeln.
Gericht bleibt bei seinem Urteil
Das Obergericht hat weder der Berufung der Staatsanwaltschaft noch der des Angeklagten stattgegeben. Der Referent des Obergerichts hat betont, dass der Reinheitsgehalt nicht nur geschätzt wurde, sondern auf forensischen Untersuchungen basiert und dass der Grenzwert für einen schweren Fall deutlich überschritten wurde.
Was nun?
Nun bleibt noch die Möglichkeit, beim Obersten Gerichtshof Revision einzulegen. Sollte das Urteil des Obergerichts rechtskräftig werden, bleibt es bei einem Jahr Knast und zwei Jahren Probezeit. Der Dude muss auch eine Strafe von 2800 Franken zahlen und 41.160 Franken an Liechtenstein zurückgeben, weil sich Verbrechen nicht lohnen soll.
