These: Spaltung = Overrated
Soziologe Nils Kumkar droppt im Uni-Liechtenstein-Talk die steile These: Die angebliche Megaspaltung der Gesellschaft ist mostly ein Mindset. Trotz Hype um Polarisierung zeigen Umfragen: «Die meisten Menschen sind sich bei vielen Themen relativ einig und verorten sich eher in der Mitte.» Zwei knallharte Lager? «Die allgemein wahrgenommene Spaltung der Gesellschaft gibt es in dieser Hinsicht nicht.»
Media-Game und Polit-Taktik
Polarisierung spielt sich laut Kumkar primär in «Situationen politischer Kommunikation» ab – Weihnachtsstreit, Talkshows, Social Media. Das Lager-Narrativ ist praktisch, weil es Politik simpler, «mobilisierend» und für alle anschlussfähig macht. Ergebnis: «kommunikative Polarisierung […] eher die Regel als die Ausnahme.»
Right Wing Boost und Demokratie-Feature
Kumkar sieht vor allem die extreme Rechte im Vorteil: Sie habe es geschafft, «sich als ein Pol in dieser wahrgenommenen Polarisierung in Stellung zu bringen» – etwa die AfD «als Partei gegen alle anderen». Gleichzeitig brauche Demokratie ein gewisses Level Drama: Der Eindruck einer Wahl zwischen zwei klaren Alternativen motiviert Beteiligung – auch wenn es nur darum geht, «die andere verhindern» zu wollen.
Corona, Liechtenstein und Reality-Check
Corona habe die Risse sichtbar gemacht: «Es ist, als hätte die Coronapandemie das Licht angemacht.» Kleinere Staaten wie Liechtenstein hätten tendenziell einen Vorteil, weil ständige reale Begegnungen einen «Reality-Check» liefern und Fantasie-Feindbilder harder zu halten sind.
