Mikroaggression: Ein talk im Skino
Am Donnerstag hat der Fachbereich Chancengleichheit vom Amt für Soziale Dienste eine Diskussionsrunde zum Internationalen Tag gegen Rassismus ins Skino gebracht. War anfangs der Vibe eher so trocken wie ein Mathebuch, wurde es dann zu einem ziemlich freshen Workshop. Beim anschließenden Aperitif ging’s dann chillig weiter mit Gesprächen über Mikroaggression.
Im Spotlight: Mikroaggression
Mit Kurzfilmen hat der Dozent und Sozialpädagoge Mark Damon Harvey das Problem von Mikroaggression aufgezeigt. Seine Wahl fiel auf dunkelhäutige Frauen, denn weltweit sind Hautfarbe und Geschlecht die häufigsten Gründe für Mikroaggression. Ein Beispiel ist der Satz «Wo kommst du denn ‹eigentlich› her?». Der kann als abwertend aufgefasst werden, weil er eine Rechtfertigung für die eigene Existenz einfordert. Es zeigt sich, dass Menschen, die durch ihr Aussehen auffallen, häufiger Vorurteilen ausgesetzt sind als Menschen aus der Referenzkultur – hier also weiße Liechtensteiner.
Die Mikroaggression und das „Auch wenn“
Harvey zeigt ein weiteres Beispiel für Mikroaggression: «Für mich sind alle Menschen gleich viel Wert, ‹auch wenn› sie eine andere Hautfarbe haben.» Das „auch wenn“ erzeugt Mikroaggression, indem es die Hautfarbe unnötig thematisiert.
Die Schuldfrage und die Mückenstiche
Harvey betont, dass man nicht den Einzelnen für Mikroaggression verantwortlich machen sollte. Oft ist es den Menschen nicht mal bewusst, welche Wirkung ihre Worte haben. Wichtig ist, den Subtext der Aussage zu verstehen. Warum wird so etwas gesagt? Wem nützt es? Was ist der Zweck? Ein Mädchen in einem der Kurzfilme vergleicht die Kommentare mit Mückenstichen: „Der erste Stich juckt nur ein bisschen. Aber nach vielen Stichen brennt und beißt es überall.“
Ein alltägliches Problem
Im Workshop wurde klar, dass Mikroaggression alltäglich ist. Es braucht nur ein abweichendes Merkmal, um über andere zu urteilen, so Harvey. Er ist überzeugt: «Menschen suchen nach Unterschieden. Ist in einer Gruppe nur eine einzige Frau oder ein einziger Schwarzer, ist Mikroaggression meist nicht mehr weit.» Diese These wird auch durch viele wissenschaftliche Studien bestätigt.
Und jetzt?
Nach zwei Stunden Zuhören, Beobachten, Fragen und Diskutieren wurde klar: Das Thema ist zu komplex für nur eine Abendveranstaltung. Wie der Referent es ausdrückte: «Es ist kompliziert.» Deshalb plant der Fachbereich Chancengleichheit einen zweiten Vortrag zu Mikroaggression. Der Termin steht allerdings noch nicht fest.
