Das Drama um den Muslimischen Friedhof
Stellt euch vor, ihr wollt einen muslimischen Friedhof in Liechtenstein aufbauen, aber die Leute starten schon den Backlash, bevor ihr überhaupt anfangt. Das passiert gerade am Ortseingang von Nendeln. Die Leute sind wegen des nahegelegenen Naturschutzgebiets Schwabbrünnen voll paranoid, dass man gegen das Wald-, Naturschutz- und Umweltschutzgesetz verstößt. Sie haben auch Angst ums Grundwasser und den Wildkorridor.
«Im Falle eines konkreten Projekts müssten selbstverständlich alle gesetzlichen Vorgaben geprüft und eingehalten werden.»
Die Regierung hat in einer Anfrage der Landtagsvizepräsidentin Gunilla Marxer-Kranz geantwortet, dass die Gemeinden für Friedhöfe und Bestattungen verantwortlich sind und dass, wenn es ein konkretes Projekt gäbe, alle gesetzlichen Anforderungen geprüft und erfüllt werden müssten.
Nicht mal in Planung
Aber das Projekt ist noch nicht mal in der Pipeline. Es wird gerade gecheckt, ob der Ort überhaupt in Frage kommt. Es sind zwei Grundstücke im Spiel, eines gehört Schaan, das andere Gamprin. Aber die Gemeinden haben zurzeit keine konkreten Pläne für einen muslimischen Friedhof, wie die Vorsteherkonferenz bestätigt.
«Aktuell gibt es aber keine konkreten Planungen durch die Gemeinden für einen muslimischen Friedhof.»
Die Idee eines muslimischen Friedhofs ist nicht neu. Es gab mal einen Ort in Schaan, der in Frage kam, aber die Vaduzer Bürgergenossenschaft hat 2016 gegen das Projekt gestimmt.
Bedürfnis bleibt
Die Muslime in Liechtenstein haben immer noch das Bedürfnis nach einem eigenen Friedhof. Sie haben letztes Jahr eine Petition im Landtag gestartet, die auch die Errichtung eines muslimischen Friedhofs fordert. Die Regierung hat die Petition an die zuständigen Gemeinden weitergeleitet.
Etwa 2000 Einwohner sind Muslime, fast ein Viertel sind liechtensteinische Staatsbürger. Sie können also nicht einfach in ihrem Ursprungsland bestattet werden, wie die erste Generation von Einwanderern.
Alternative Lösungen?
Kritiker meinen, dass Muslime auch auf bestehenden Friedhöfen nach islamischen Regeln bestattet werden könnten. Schaan will das mit einer Machbarkeitsstudie prüfen. Landtagsvizepräsidentin Gunilla Marxer-Kranz findet solche integrierten Lösungen gut.
«Es gehört zur Religionsfreiheit, dass man seine religiösen Überzeugungen auch im öffentlichen Raum leben darf und sich nicht darin der Mehrheitsgesellschaft anpassen muss.»
Aber der Theologe Günther Boss hat in einer Studie von 2017 gesagt, dass Muslime ihre Bestattungssitten nicht so schnell ändern werden und auch nicht müssen. Es gehört zur Religionsfreiheit, dass man seine religiösen Überzeugungen auch im öffentlichen Raum leben darf und sich nicht der Mehrheitsgesellschaft anpassen muss. Er glaubt, dass eine Bestattung nach islamischen Regeln auf den bestehenden Friedhöfen nicht möglich ist.
