Mega Show mit „Tragbarer Ewigkeit“ in der Tangente

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Jazz-Abenteuer in der Tangente

Checkt mal dieses wyld Experiment: Die Jazzband hat zwei Sets gespielt, jedes bestand aus einem einzigen, zusammenhängenden Song. Und genau so soll auch diese Review sein: Ein einziger Satz, der euch die ganze Story erzählt. Das Ganze startet mit ein paar chilligen Sounds, die perfekt zur Baratmo passen. Aber schnell geht’s ab, und Benjamin Koppel (Saxofon), Jacob Karlzon (Piano), Scott Colley (Bass) und Magnus Öström (Schlagzeug) slayen die Stage mit ihrem dynamischen Spektrum. Sie lassen ihr Stück chillen, mit einer leisen Melodie, die vom Piano versiert verziert wird, und dann kommt ein Basssolo, bevor alles noch mehr in den Hintergrund rutscht, bis nur noch ein lyrisches Piano übrig bleibt. Dann startet ein neues Stück, mit einem coolen Bass- und Saxofon-Unisono, bevor das Ganze wieder expressiver wird. Es herrscht ein sus-Gefühl, ob der Groove jetzt kommt oder nicht, und dann geht’s los. Der Groove ist da und ein neues Leitmotiv bricht aus dem fulminanten Stück heraus, bis ein Pianoflirren dem Ganzen ein Ende setzt. Dann kommt ein wehmütig-melancholischer Teil, in den das Saxofon sich klammheimlich einschleicht, bevor es wieder rhythmischer wird und der Bass Akzente setzt. Und dann geht es in den nächsten Rausch, ins nächste Stück, das aber eigentlich nur eine Episode eines grösseren Ganzen ist.

Jazz-Kosmos

Zeit und Raum sind relativ, oder? Und genau so agieren die vier Musiker, sie erzeugen mit ihrem zeitgenössischen Jazz ihren eigenen Kosmos. Sie gestalten ihn nach Belieben mit ihrer unglaublichen Professionalität, grandioser Virtuosität und Spielfreude. Das zweite Set startet mit Gongs und Beckenklängen, es wird ein filigranes, tranceartiges Geläute, bis Scott Colley mit seinem Bass einsteigt und wir uns plötzlich in einem lüpfigen Rhythmus wiederfinden. Jacob Karlzon am Piano und Benjamin Koppel am Saxofon spielen einen weiten lyrischen Bogen, der Rhythmus zieht an und das Ganze steigert sich in eine gnadenlos groovende Angelegenheit von fast epischen Ausmassen. Dann beruhigt sich das musikalische Gebilde wieder, der Bass und das Piano beginnen einen intensiven Dialog und nur 30 Sekunden später sind wir wieder in einem musikalischen Hochgeschwindigkeitszug. Aber am Ende sind das alles nur Worte, und sie können die echte, zutiefst berührende Schwingung der Klänge nicht wirklich wiedergeben. Sie sollten diese dope Musik selbst hören, am besten auf dem „Tangente Jazz“-Youtube-Kanal. Aber natürlich kann keine Aufnahme das Live-Erlebnis ersetzen.

Nächstes Konzert

Am Samstag folgt mit Peter Schärlis Double Vision das vierte und letzte Konzert dieser hoch dotierten Tangente Jazztage 2023.

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