Nonett-Double-Feature
Im Rathaussaal Vaduz lieferte die Kammerphilharmonie Graubünden einen «Nonettabend» mit zwei Liechtensteiner Komponisten: dem Spätromantiker Josef Rheinberger und dem zeitgenössischen Jürg Hanselmann. Anlass ist Rheinbergers 125. Todesjahr 2026. Neben dem «Nonett in Es-Dur op. 139» beauftragte das Orchester Hanselmann mit einem frischen Nonett im exakt gleichen Setup – fünf Bläser, vier Streicher.
New School: Hanselmann
Hanselmann, bekannt als Rheinberger-Pro am Piano, erklärte im Programmheft: «Ich nahm diesen Auftrag gerne wahr, da ich in den vergangenen Jahren vermehrt Kammermusik komponiert hatte. Mit dem geschuldeten Respekt vor den grossen Vorbildern und im Bewusstsein des formalen Anspruchs, schrieb ich mit meinen eigenen Vorstellungen, die mir diese Instrumente evozieren». Sein «Nonett g-Moll op. 74» startete Grave, mit heavy Dissonanzen, viel Horn-Action und dauerhaftem Moll-Vibe. Scherzo, Lento lugubre und ein Finale Allegro, das als Postpräludium wieder im Grave landet, sorgten für intensiven Mood – inklusive langem, herzlichem Applaus.
Old School: Rheinberger
Rheinbergers Frau Fanny schrieb 1884 promo-mässig: «Mein Mann hat kürzlich ein Nonett für Streich- und Blasinstrumente beendet». Das Es-Dur-Nonett, basierend auf einem Oktett von 1861, gilt als eines seiner erfolgreichsten Kammerstücke: harmonisch, melodisch, spätromantisch, mit Mozart-Vibes im Menuett und einem bright Finale Allegro.
Fazit des Abends
Form gleich, Soundworld total anders – ein «spannender» und erbaulicher Konzertabend mit viel Applaus für die Kammerphilharmonie Graubünden.
