Operation Cross-Border
Mitte Oktober liefen Early-Morning-Raids synchron in elf deutschen Städten, fünf Schweizer Kantonen und in Liechtenstein. Sichergestellt wurden 20 mutmassliche Fakes, gehandelt unter Big-Name-Labels wie Pablo Picasso, Peter Paul Rubens und Rembrandt van Rijn für 400 000 bis 14 Millionen Euro. Rund 100 Polizeibeamte und drei Staatsanwälte waren am Start, informierte das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) am Freitag.
Taskforce und Taktik
Seit Jahresbeginn ermittelt die mehrköpfige Ermittlungsgruppe «Dora Maar» unter Leitung der Staatsanwaltschaft Amberg gegen einen 77-jährigen Deutschen aus der Oberpfalz und zehn weitere Mittäter «wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten gewerbs- und bandenmässigen Betrugs mit Kunstfälschungen». Laut BLKA sollten potenzielle Käufer von der Echtheit überzeugt werden. Aufgeflogen ist das Setup, als der Hauptbeschuldigte zwei vermeintliche Picassos und danach einen angeblichen Rembrandt «Staalmeesters» (dt. «Die Vorsteher der Tuchmacherzunft») platzieren wollte.
Gutachten, Funde, Status
Ein Kunstsachverständiger widersprach am Einsatztag «eindeutig»: Kein verschollenes Meisterwerk, sondern eine Kopie. Gefordert wurden 120 Millionen Franken für die Reproduktion, die dem Experten zufolge vermutlich um drei Jahrhunderte älter ist als das Original. Die Rembrandt-Fälschung wurde in der Schweiz bei einer 84-jährigen Schweizerin beschlagnahmt; auch gegen sie wird ermittelt. Spur nach Liechtenstein bleibt offen; Durchsuchungen dort übernahm die Landespolizei. Sichergestellt wurden Dokumente, Geräte, Cloud-Daten und zahlreiche mutmassliche Fakes. Haftbefehle gegen den Hauptverdächtigen und einen 74-Jährigen wurden unter Auflagen ausgesetzt. Ermittlungen laufen weiter, betont das BLKA.
