Einheitliche Bustarife gefordert: Jede Einzelfahrt soll nur zwei Franken kosten

4 Min Read

Tarife der Liemobil sollen einfacher werden

Wer ab und an mit dem Bus in Liechtenstein unterwegs ist, dem dürfte bekannt sein: Der Tarifplan der Liemobil unterteilt Liechtenstein in vier Zonen – drei im Oberland und eine im Unterland. Und wer die Zonengrenze überquert, muss einen höheren Tarif bezahlen. «Diese Tarifstruktur ist viel zu kompliziert, um Gelegenheits-Busfahrer zu animieren, nachhaltig von dem Auto auf den ÖV zu wechseln», zeigte sich der FL-Abgeordnete Patrick Risch an einer Pressekonferenz vom Montag überzeugt. Darum haben insgesamt 13 Abgeordnete der FL, der VU und der FBP einen parteiübergreifenden Vorstoss eingereicht, um die Tarifstruktur der Liemobil zu vereinfachen. «Ein Land, eine Zone, ein Tarif. Das ist die Grundidee des Vorstosses», erklärte die VU-Abgeordnete Dagmar Bühler-Nigsch.

Einheitlicher Fahrtarif und kostenlose Bus-Abos für Schüler und Lernende

Konkret soll die Regierung beauftragt werden, die Eignerstrategie und die jährliche Leistungsvereinbarung mit der Liemobil derart anzupassen, dass landesweit ein günstiger Fahrtarif gilt – unabhängig von der Streckendistanz – sowie einheitliche Jahresabopreise eingeführt werden. Zudem soll für Schüler und Lernende das Bus-Abo kostenlos werden.

Günstigere Preise, weniger Einnahmen für Liemobil

Die Antragsteller haben dabei schon Ideen zur Höhe Tarife. So soll ein Jahresabo für jeden künftig 120 Franken kosten. Aktuell muss ein Erwachsener 370 Franken für ein Jahresabo bezahlen. Und für Einzelfahrten sollen – unabhängig von der Streckendistanz – nur zwei Franken anfallen. Dieser Einheitstarif wäre für das gesamte Liniennetz geplant – also auch für Fahrten über die Grenze bis nach Buchs, Feldkirch und Sargans.

Die geforderten Preisänderungen würden zu weniger Einnahmen von rund 2,5 Millionen Franken (plus/minus 20 Prozent) bei der Liemobil führen. Zur Frage, wie diese Mindereinnahmen kompensiert würden, meinte der FL-Abgeordnete Risch: «Dann müssen wir halt den Staatsbeitrag erhöhen. Wenn wir einen starken ÖV wollen, muss er uns etwas wert sein.» Bühler-Nigsch ergänzte, dass der Landtag im Sommer 2024 ohnehin einen neuen Finanzbeschluss zur staatlichen Beteiligung an der Liemobil für die kommenden Jahre zu fällen habe.

Revolutionäre Ideen für den ÖV

Erst vergangene Woche hat auch die Liemobil ihre neue Unternehmensstrategie «MAP 2030» vorgestellt. Ein Ziel der neuen Strategie sei es, «das Tarifmodell in Liechtenstein zu überprüfen und zu entschlacken», liess sich Liemobil-Geschäftsführer Jürgen Frick zitieren. Heisst das, dass die Abgeordneten mit ihrem Vorstoss bereits offene Türen einrennen? «Ich glaube nicht, dass die Strategie der Liemobil die genau gleiche Stossrichtung verfolgt wie unser Vorstoss», sagte dazu der FBP-Abgeordnete Johannes Kaiser. «Wir sind da viel revolutionärer.»

Nur ein Puzzlestück zur Attraktivität des ÖV

Trotzdem räumten die Abgeordneten an der Pressekonferenz ein, dass es sich bei ihrem Vorstoss nur um «ein Puzzlestück» handle, um den öffentlichen Verkehr attraktiver zu gestalten. Daneben müsse auch das Angebot ausgebaut werden.

Regierungseingriff in das operative Geschäft der Liemobil?

Weiter ist anzumerken, dass in den Eignerstrategien grundsätzlich nur die strategischen Leitplanken von öffentlichen Unternehmen festgeschrieben werden. Die operative Tätigkeit sollte dagegen dem Staatsbetrieb selbst überlassen werden. Der nun eingereichte Antrag zur Anpassung der Eignerstrategie sieht aber vor, die Tarifstruktur der Liemobil anzupassen. Greift der Landtag dadurch zu stark in das operative Geschäft des Verkehrsbetriebs ein? «Ich finde diesen Vorwurf nicht richtig», sagte der FL-Abgeordnete Risch. «Die Liemobil ist ein Staatsbetrieb. Und der Eigentümer darf immer noch selbst entscheiden, was er will.» Die VU-Abgeordnete Bühler-Nigsch fügte an, dass man die Änderung der Eignerstrategie für das beste Mittel hält, um die obgenannten Ziele zu realisieren. «Sollte die Regierung einen Weg kennen, wie man die Ziele erreicht, ohne die Eignerstrategie abzuändern, dann umso besser», so Bühler-Nigsch.

Leave a comment