Kleines Land, große Fragen
Liechtenstein hat es geschafft, während des Zweiten Weltkriegs unversehrt zu bleiben. Aber wie neutral und souverän war der Zwergstaat wirklich? Eine neue Studie des Historischen Vereins, die am Dienstag veröffentlicht wird, beleuchtet diese Frage. Der Auftrag kam von der Regierung und wurde von Professor Ulrich Schlie von der Uni Bonn durchgeführt.
Diplomatie und Glück
Laut Schlie spielte die Diplomatie von Fürst Franz Josef II. eine entscheidende Rolle. Ein Staatsbesuch in Berlin im März 1939 war besonders wichtig. „Der Besuch brachte keine operativen Ergebnissen, es war ein reiner Höflichkeitsbesuch, und genau das war das Ziel.“ Hitler empfing den Fürsten, was ein klares Signal an den NS-Apparat war, Liechtenstein in Ruhe zu lassen.
Innere und äußere Bedrohungen
Die Studie zeigt auch, dass Liechtenstein Glück hatte, dass Hitler kein Interesse an einer Annexion hatte. Es gab aber auch interne Bedrohungen, wie den gescheiterten Putsch der liechtensteinischen Nazi-Bewegung VDBL im März 1939, der eine ernsthafte Gefahr für die Souveränität des Landes darstellte.
Wirtschaft und Neutralität
In den 1940er-Jahren gründeten sich Firmen wie Presta, PAV und Hilti, die für die deutsche Kriegswirtschaft produzierten. Trotzdem galten die schweizerischen Handelsgesetze auch für Liechtenstein, was die Neutralität des Landes unterstrich.
Relevanz und Forschung
Die Studie entstand im Kontext der liechtensteinischen Staatenklage gegen Tschechien und hat politische und völkerrechtliche Relevanz. Schlie betonte, dass der juristische Hintergrund keinen Einfluss auf die Untersuchung hatte. Am Dienstag wird die Studie im liechtensteinischen Landesmuseum vorgestellt.
