Letzten Freitag haben die News-Nerds im cozy Gemeindesaal Balzers die 30. Ausgabe der Balzner Neujahrsblätter gedroppt. Unter den fast 200 Gästen waren auch Ex-Balzner und die smarten Köpfe vom Haus Gutenberg.
Ungelöstes Mystery-Projekt
Nach ein paar warmen Worten von Hans Brunhart, hat die Architektur-Detective Elisabeth Crettaz-Stürzel ihre Insights zum Balzner Residenzprojekt von August Essenwein aus 1862 geteilt, das nie vom Papier in die Realität geholt wurde. In den 80s hat sie für ihre Diss zum Schloss Vaduz Restauration-Projekt 13 bunte Pläne für ein „kleines Bergschloss“ im royalen Archiv von Schloss Vaduz gefunden. „Die Pläne erzählen Geschichten“, sagte die Architektur-Detective. Durch ihre Research hat sie herausgefunden, dass das Schloss in Balzers gebaut werden sollte und wann der Plan gezeichnet wurde. „Die Pläne zeigen, dass das Schloss anstelle des Haus Gutenbergs in Balzers gebaut werden sollte“, sagt Elisabeth Crettaz-Stürzel. Aber das Haus Gutenberg wurde bereits zwischen 1854 und 1856 gebaut, also wäre das Schloss kein Neubau, sondern ein hardcore Umbau gewesen.
Autoren-Rätsel gelöst
Die Pläne waren nummeriert, aber der Autor war ein Phantom. Erst kürzlich hat Ulrich Grossmann, der Ex-Boss des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, Fotos der royalen Pläne gefunden, die dem Erbauer des Nürnberger Museums, August Essenwein, zugeschrieben wurden. „In Nürnberg fehlte die Info über den Ort, was zu einigen Fehlinterpretationen führte“, sagte Crettaz-Stürzel. Erst durch das Zusammenfügen von Infos aus Nürnberg, Balzers und Wien (wo das royale Archiv heute ist), wurde klar, dass die neuromantische Residenz für Fürst Johann II. vom deutschen Architekten August Essenwein in Wien designed wurde. „Vermutlich hat das Ganze Graf von Wilczek vermittelt, der den Wiederaufbau geleitet hat“, mutmaßt Crettaz-Stürzel.
Zufälle im Spiel
Nach Crettaz-Stürzels Präsentation hat der Kunst- und Bauhistoriker Ulrich Grossmann über August Essenwein und seine Pläne gesprochen. „Sowohl die Maßleisten als auch der Schriftduktus erinnern an Dinge, die von Essenwein stammen“, erklärte Grossmann. Die Pläne konnten identifiziert werden, weil der Hintergrund Schloss Balzers zeigt. „Zufälle haben eine große Rolle gespielt“, sagte Grossmann. Da die Pläne im Maßstab 1 zu 144 gezeichnet wurden, meint der Historiker, dass sie wahrscheinlich nicht zum Bauen gedacht waren. Grossmann zeigte anhand einiger Beispiele, wie wichtig der Architekt August Essenwein war, der unter anderem den Mosaikboden im Kölner Dom entworfen hat. „Sein Streben nach weitreichenden Verbindungen war schon vor Abschluss seines Studiums klar“, sagt Grossmann anerkennend.
Mehr Stories
Neben diesen beiden Stories gibt es in den Balzner Neujahrsblättern noch mehr zu entdecken: Geschichten über Burg Gutenberg und das alte Gemeindehaus in Gemeinderatsprotokollen, die Salettiner in Balzers, die Balzner Künstlerin Martina Morger und die Balzner Grenzkonflikte.
Neues Team
Nach der Präsentation hat Hans Brunhart der Gemeinde und vielen anderen für 30 Jahre Unterstützung gedankt und ein fast komplett neues Redaktionsteam vorgestellt. Das Gründungsteam – bestehend aus Georg Burgmeier, Elmar Bürzle und Toni Gstöhl – verlässt das Redaktionsteam. „Wir bleiben aber weiterhin Mitarbeiter“, sagte Brunhart wehmütig. Für ihre jahrelangen Verdienste bedankte sich Vorsteher Karl Malin mit Geschenktaschen, die von Martina Morger gestaltet wurden, und würdigte das Redaktionsteam in seinen Schlussworten.
