Der Start in eine neue politische Ära
Yo, der Vibes sind im Flow, die Unterschriftensammlung für die Direktwahl der Regierung hat begonnen. Es sieht sus aus, als ob Liechtenstein wieder darüber diskutieren wird, wie unser politisches System gestaltet sein soll – genau wie vor 20 oder 175 Jahren. Damals kam das erste Mal der Gedanke auf, unserem Fürstentum eine freiere Staatsform zu geben, und zum ersten Mal haben gewählte Volksvertreter einen Verfassungsentwurf ausgearbeitet. Doch dieser Entwurf wurde nie umgesetzt.
Revolution von 1848 – ein Game Changer
Die Revolution von 1848 war der Trigger: Wirtschaftliche Cringe-Momente, gepaart mit unerfüllten Forderungen nach liberalen Veränderungen, führten zu einer Revolutionswelle in ganz Europa. Den Anfang machte Frankreich, als Volksaufstände König Louis-Philippe zur Flucht zwangen und die Republik ausriefen. Diese wylden Ereignisse inspirierten auch in Liechtenstein zu Unruhen und Aufständen. Denn hier waren die Leute auch unzufrieden: Keine politischen Rechte und eine sukzessiv verschlechterte Wirtschaftslage – das war einfach zu rizz.
Revolution in Liechtenstein – Freiheit und Gleichheit
Ende März starteten auch in Liechtenstein die revolutionären Ereignisse. Junge Leute sangen Freiheitslieder und forderten Freiheit und Gleichheit. Gleichzeitig drohten sie, die fürstlichen Beamten aus dem Land zu jagen. In einem Fall wurde diese Drohung sogar wahr: Der Kanzlist Johann Langer, der wegen seines arroganten Auftretens besonders verhasst war, wurde von einem «Revolutionszug» zur österreichischen Grenze gebracht.
Vom Chaos zur Ordnung
Trotz des ganzen Chaos konnte die Revolution in geordnete Bahnen gelenkt werden. Es wurden Ausschüsse gewählt, die die Wünsche der Bevölkerung sammelten und dem damaligen Landesfürsten Alois II. mitteilten. Die Forderungen waren klar: Wirtschaftliche Verbesserungen und eine freiheitliche Verfassung mit einer frei gewählten Volksvertretung. Wie Peter Kaiser, Historiker und Vorsitzender des Landesausschusses, formulierte: «Wir wollen in Zukunft als Bürger und nicht als Untertanen behandelt sein.»
Die Reaktion des Fürsten
Fürst Alois II. reagierte auf die Forderungen mit weitgehenden Zugeständnissen. Er gab seine Zustimmung für einen Verfassungsrat, der eine neue Verfassung ausarbeiten sollte. Schon im Oktober konnte das Gremium dem Landesfürsten seinen Verfassungsentwurf vorlegen. Es sah ein vom Volk gewähltes Parlament vor, den sogenannten Landrat. Der vom Fürst bestellte Landesverweser wäre weiterhin für die Regierungsgeschäfte zuständig gewesen, aber er hätte sich dem Landrat gegenüber verantworten müssen.
Die neue Verfassung – ein gemischter Erfolg
Im März 1849 erliess Fürst Alois II. die sogenannten «konstitutionellen Übergangsbestimmungen». Damit setzte er aber nur Teile des Verfassungsentwurfs in Kraft. Der Landrat wurde geschaffen und der Landesverweser war der Volksvertretung verantwortlich. Aber der Fürst behielt sein absolutes Veto. Trotzdem fanden am 20. Mai 1849 die ersten freien, demokratischen Wahlen Liechtensteins statt.
Das Ende der Revolution
Doch der Erfolg der Bevölkerung war nur von kurzer Dauer: Als Österreichs Kaiser Franz Joseph 1851 zum Absolutismus zurückkehrte, zog Fürst Alois II. nach: Im Sommer 1852 unterzeichnete er den «Reaktionserlass». Damit wurden die «konstitutionellen Übergangsbestimmungen» aufgehoben und es galt wieder die alte absolutistische Ordnung. Aber die Revolution von 1848 setzte den Startpunkt für die demokratische Entwicklung in Liechtenstein.
