Elternzeit in Liechtenstein: Ein wyldes Thema
Also, peeps, das ist die Lage: Nächstes Jahr will die Regierung endlich das Thema bezahlte Elternzeit in den Landtag bringen. War ja auch Zeit, oder? Liechtenstein muss das sowieso wegen den EU-Vorgaben einführen. Aber bisher war die Regierung da eher zurückhaltend und wollte nur eine Minimalumsetzung. Im Vernehmlassungsbericht haben sie vorgeschlagen, dass Eltern während der Elternzeit nur 50 Prozent des Lohnes aus der Familienausgleichskasse (FAK) bekommen sollten. Aber das war vielen sus. Es wurde schnell klar, dass viele Eltern sich das finanziell gar nicht leisten können. Also haben verschiedene Organisationen gefordert, dass mindestens 80 Prozent des AHV-pflichtigen Lohnes bezahlt werden sollen. Und jetzt gibt’s da auch eine Petition, die am Donnerstag beim Landtag eingereicht wurde, die genau das fordert. Unterzeichnet haben die Bittschrift 193 Personen. Verantwortlich ist der „feministische Streik“ (früher Frauenstreik). Die Unterschriften wurden bei einer Veranstaltung am 14. Juni 2023 gesammelt. Die Forderung ist, dass für beide Elternteile eine „genügend lange bezahlte Elternzeit“ eingeführt werden soll. Für die Bemessung des Lohnausgleiches soll der Medianlohn (6852 Franken, Stand 2022) als Deckelung herangezogen werden. Also, mehr als 80 Prozent des Medianlohnes würde niemand bekommen.
Care-Arbeit und Chancengleichheit
In der Petition wird auch argumentiert, dass eine „wirksame Elternzeit“ wichtig ist, damit Familie und Beruf realistisch vereinbart werden können und dass es Chancengleichheit für Mütter und Väter auf dem Arbeitsmarkt gibt. Außerdem gibt’s in der Petition auch noch Forderungen bezüglich unbezahlter Care-Arbeit. Einerseits soll erfasst werden, wie viel unbezahlte Care-Arbeit in Liechtenstein eigentlich gemacht wird. Andererseits soll die unbezahlte Care-Arbeit in die Sozialversicherungen einbezogen werden. Weil diese Arbeit heute hauptsächlich von Frauen gemacht wird, werden in der Petition auch Maßnahmen gefordert, um eine faire Verteilung unter den Geschlechtern zu ermöglichen. Und ganz konkret fordern die Leute vom feministischen Streik, dass für das Stillen im ersten Lebensjahr des Kindes bezahlte Stillpausen am Arbeitsplatz gewährt werden, so wie in der Schweiz.
Mehrfachdiskriminierung und weitere Forderungen
Der feministische Streik hat am Donnerstag auch noch eine weitere Petition eingereicht. Diese dreht sich um das Thema Mehrfachdiskriminierung und wurde von 168 Personen unterschrieben. Es geht um Frauen, die zu einer Minderheit gehören, sei es wegen ihrer Religion, einer Behinderung oder der Hautfarbe. In der Petition wird gefordert, dass zu diesem Thema Untersuchungen durchgeführt werden und Maßnahmen gegen Mehrfachdiskriminierung ergriffen werden. Und ganz konkret fordern sie, dass Dolmetscherstellen beim Behinderten-Verband vom Staat finanziert werden und dass barrierefreier Zugang zu allen Lebensbereichen gewährleistet wird. Der Landtag wird beide Petitionen des feministischen Streiks in der November-Sitzung auf die Tagesordnung setzen.
